• Medientreffpunkt: Keine Veränderung der Kräfteverhältnisse in den Kabelnetzen durch HDTV
    Das hoch auflösende Fernsehen HDTV wird die Kräfteverhältnisse in den Kabelnetzen nicht verändern. Darüber waren sich Experten von TV-Sendern, Kabelanbietern und Satellitenbetreibern auf einer Diskussionsveranstaltung des Medientreffpunktes Mitteldeutschland in Leipzig einig. Gleichzeitig herrschte Konsens darüber, dass HDTV die Digitalisierung des Fernsehmarktes vorantreiben wird. Michael Albrecht von ARD Digital sagte, die Öffentlich-Rechtlichen würden auch in Zukunft ihre Sender den Kabelnetzbetreibern kostenlos anbieten. Mit dem Regelbetrieb der HDTV-Programme der Öffentlich-Rechtlichen sei dem neuen Format ein kräftiger Impuls gegeben worden, der sich mittelfristig auf die Digitalisierung des Fernsehmarktes positiv auswirken werde.

    Dr. Harald Flemming vom größten deutschen Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland erläuterte, sein Unternehmen werde sich weiterhin ausschließlich nach den Kundenwünschen richten. Das habe die Einspeisung der HDTV-Programme von ARD und ZDF rechtzeitig zur Winterolympiade gezeigt. Natürlich wolle sein Unternehmen das HDTV-Angebot erweitern. Dazu kann sich Flemming Kooperationen mit verschiedenen Anbietern vorstellen. Es gebe für KDG nicht die Wahl zwischen den Satellitenbetreibern Astra und Eutelsat, er bevorzuge die direkten Anbieter und das seien die Sender selbst.

    Viel schneller als KDG hatte Tele Columbus die öffentlich-rechtlichen HDTV-Sender in seine Netze eingespeist. Dietmar Schickel, Geschäftsführer von Tele Comlumbus erklärte auch warum: „Für uns war es marketingstrategisch gedacht. Wir sind auf dem HDTV-Weg. Deswegen gibt es seit dem 15. März bei uns auch keine SDTV-Receiver mehr, sondern ausschließlich Receiver für hoch auflösendes Fernsehen.“

    Der Satellitenbetreiber Eutelsat will sich in Zukunft im Bereich HDTV ausschließlich an die Kabelnetzbetreiber wenden. Ihnen werde er das HDTV-Signal anbieten, das sie dann in ihre Netze einspeisen können, so Stefan Hermes von Eutelsat.

    Da ab 2012 die analogen TV-Signale abgeschaltet werden, ergibt sich für manchen Kabelnetzbetreiber das Problem, dass viele seiner Kunden dann keine analogen Signale mehr empfangen können. Daher wird über eine so genannte Reanalogisierung der Digitalsignale nachgedacht. Strittig ist allerdings, wer das bezahlen soll. Auch in Leipzig schoben sich Programmanbieter und Kabelnetzbetreiber gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Harald Flemming von der KDG sagte, die Programmanbieter müssten ein Interesse an der Empfangbarkeit ihrer Programme haben. Folglich sollten sie sich an den Kosten beteiligen. Das lehnten aber die Vertreter von ARD und RTL ab. Michael Albrecht sagte, das billigste und einfachste Modell sei der Kauf von Digital-Receivern im Fachhandel. Das wollten aber die Privaten nicht, da sie ihre eigenen Normen, wie HD Plus beim Kunden durchdrücken wollten. Daher müssten diese entweder die Reanalogisierung bezahlen oder ihren Kunden digitale Set-Top-Boxen schenken, wie dies in Großbritannien passiert sei.


    Di, 04. Mai 2010


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